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Geschichte der Handtasche / Die Handtasche im Wandel der Zeit

Im Bereich von Mode und Design spielt die Handtasche nicht nur im wörtlichen, sondern auch im gehobenen Sinn eine tragende Rolle. Doch ganz gleich, ob es sich dabei um ein Modell aus hipp wirkender LKW-Plane, ökologisch korrekt gewonnenem Stoff oder urtümlichem Leder handelt – alle heute erhältlichen Vertreter der Damenhandtasche blicken auf eine gemeinsame Entwicklungsgeschichte zurück:

Vom Utensil für Beutemacher zur wehrhaften Ledertasche

Bevor die Handtasche zum unverzichtbaren Bestandteil weiblicher Garderobe wurde, war sie vor allem
ein Accessoire der Männer. Schon in der Steinzeit führten diese stets beutelartige Behältnisse
mit sich, welche dem Transport von Werkzeug oder Ersatzteilen für ihre Jagdausrüstung dienten.
Nach dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht wandelten sich die Beutel zu robusten Ledertaschen, die
zur Aufnahme von Hieb- und Stichwaffen bestimmt waren. In diesen so genannten Wehrgehenken konnten
Männer auch persönliche Dinge wie Münzen oder wichtige Dokumente aufbewahren bzw. mit sich
herumtragen. Frauen, Mädchen und jüngeren Knaben blieb der Zugriff auf eine solch praktische
Ledertasche allerdings verwehrt; sie bewahrten ihre Habseligkeiten in eigens dafür konzipierten
Fächern der Oberkleidung auf.

Alte Handtasche

Alte Handtasche

Von der Waffentasche zum Handarbeitsbeutel

Nachdem modische Veränderungen die kleinen Innentaschen immer mehr zurückgedrängt hatten,
besannen die Damen sich wieder auf den einst so praktischen Beutel und kreierten damit die erste
wörtlich zu nehmende Hand-Tasche. Anders als heute enthielten diese Nachfolger der maskulinen
Ledertasche jedoch ausschließlich nutzbringende Gegenstände: In der Regel fassten sie Nähzeug
oder begonnene Nadelarbeiten und den stets präsenten „Almosenpfennig“ für den sonntäglichen
Kirchgang.

Vom Alltagsgegenstand zur salonfähigen Damenhandtasche

Während das Design der Beutel anfangs überwiegend vom persönlichen Geschmack der jeweiligen
Trägerin bestimmt wurde, passte es sich zunehmend den Vorgaben höfischer Mode an. Im Zuge derer
ging Anfang des 18. Jahrhunderts erstmals ein ganz bestimmtes Modell in Serie: Einer Handtasche der
Marquise de Pompadoure nacheifernd wurden bei sämtlichen Täschnern Europas ähnliche Varianten
bestellt. Unter dem Namen seiner Schöpferin trat das neckische Beutelchen einen unvergleichlichen
Siegeszug an und gilt bis heute als berühmteste Damenhandtasche der Welt.

Von weiblicher in männliche Hand

Alle dem „Pompadour“ folgenden Handtaschen waren weiterhin sehr feminin gestaltet und bestanden aus
entsprechend feinen Materialien. Nur Hebammen besaßen – um den Ansprüchen ihrer Tätigkeit gerecht
zu werden – wesentlich robustere Ledertaschen. Paradoxerweise entwickelte sich ausgerechnet aus
diesem wohl frühesten Symbol der Emanzipation die erste Herren-Handtasche – der noch immer
gebräuchliche Arzt-Koffer.
Im Laufe ihrer weiteren Entwicklung wurde die Damenhandtasche mehr und mehr zum Ausdrucksmittel
persönlicher Einstellungen oder gesellschaftlicher Gefüge. Doch dieser Aspekt der heute kaum noch
wegzudenkenden Stoff- oder Ledertaschen ist eine ganz andere Geschichte…

 

Weitere Geschichten über Handtaschen finden Sie hier in anderen Blogs:

Geschichte der Handtasche

Kulturgeschichte der Handtasche

 

 

 

 

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