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Von Fell und Haut zur Gerberei

Geschichte der Gerberei: Seit der frühsten Geschichte gilt der Mensch als Jäger und Sammler. Und von Beginn an verwendete der Jäger nicht allein das Fleisch, sondern auch das Fell und die Häute des gejagten Tieres. Um die Häute zu konservieren, suchte er frühzeitig nach passenden Techniken und Arbeitsmitteln, die bereits um 8.000 v. Chr. in gerbstoffhaltigen Pflanzen gefunden wurden. Bis heute hat sich an den Grundzügen der als Gerber bekannten Tätigkeit der Lederherstellung nicht viel geändert. Mit unterschiedlichen Gerbverfahren wurde das Leder früher von Hand, heute oft mit maschineller Unterstützung, hergestellt und über zahlreiche Arbeitsschritte zu verschiedenen Unterarten verarbeitet.

Gerben und Lederherstellung in Deutschland

Wie viele andere Handwerksberufe gibt es auch für den Beruf des Gerbers erst ab dem Mittelalter nachhaltige Zeugnisse. Mit einer Urkunde von 1311 findet eine Lohmühle im Siegerland Erwähnung, das frühzeitig eine besondere Stellung in der Herstellung verschiedener Lederarten einnahm. Hier war vor allem der Lohgerber oder Rotgerber vertreten. In den sogenannten Lohmühlen wurden Rindenstücke gerbstoffhaltiger Bäume, beispielsweise Eichen und Erlen, zerkleinert und gemahlen. Das darin enthaltene Tannin wurde für den eigentlichen Gerbprozess verwendet, um die Häute in Leder zu verwandeln.

 

Geschichte der Gerberei - Leder gerben

Alte Gerberei

Nach dem in mehreren Schritten erfolgten Entfernen von Fleischresten und Haaren wurden die Häute in sogenannten Gerbgruben aufgeschichtet: Abwechselnd Häute und Rindenpulver wurden geschichtet, wonach die Gerbgrube mit Wasser aufgefüllt wurde. In der Lohbrühe sorgten die Gerbstoffe für das Gerinnen der Eiweißstoffe in den Tierhäuten, wodurch sich über einen bestimmten Zeitraum das Leder entwickelte.

Gerbprozesse für verschiedene Lederarten

Neben Rinden wurden auch andere Stoffe zum Gerben genutzt. So arbeitete der Weißgerber mit Alaun für die Herstellung eines hellen, weichen Leders, der Sämischgerber nutzte hingegen Fischtran zum Gerben der Häute. Je nach Lederart dauerte der Gerbvorgang zwischen einigen Monaten und eineinhalb Jahren, während der die Lohe in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden musste.

Dem Gerben folgte die Waschung des frischen Leders, wofür die Gerber auf fließende Gewässer angewiesen waren. Die Gerberbetriebe lagen entsprechend in den Städten und Dörfern nahe von Flüssen und Bächen. Hier rammten sie oft Pfähle in das Flussbett, an denen sie ihre Felle zum Wässern aufhingen. Von diesem Arbeitsschritt stammt auch die bis heute geläufige Redewendung „ihm schwimmen die Felle davon“. Denn wenn dem Gerber die Felle davon schwammen, hatte er nach der vielen Arbeit einen großen Verlust zu verbuchen.

Weiterführende Informationen auf Lederpedia und Wikipedia

 

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